1. Mittelstufenschule als Schulkonzept, das kein Kind zurücklässt
Es ist das zentrale schulpolitische Ziel dieser Landesregierung, dass kein Kind im hessischen Schulsystem zurückgelassen wird.
Dafür streben wir an, dass Schülerinnen und Schüler noch individueller und intensiver nach ihren Neigungen, Begabungen und Talenten gefördert werden.
Kein Jugendlicher soll die Schule ohne Abschluss verlassen.
Dies verbietet sich zum einen, weil damit Lebensperspektiven zerstört werden, zum anderen angesichts der demographischen Entwicklung in Hessen und des steigenden Fachkräftemangels in vielen Berufen.
Die Talente und Potentiale aller Jugendlichen müssen erkannt und gezielt gefördert werden.
Die Verbesserung der Ausbildungsreife muss in allen Bildungsgängen – insbesondere in den Bildungsgängen Haupt- und Realschule - noch stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Dies entspricht auch den Anforderungen, die die Wirtschaft an schulische Bildung stellt.
Viele Schülerinnen und Schüler verfügen über eine stärker praktische Begabung.
Dennoch haben wir in Hessen – wie im übrigen Bundesgebiet auch - die Situation, dass der Bildungsgang Hauptschule seitens der Eltern nicht nachgefragt wird (nur 3% der Schüler in Eingangsklassen).
Vielerorts können Hauptschulen keine Eingangsklassen bilden.
In den höheren Jahrgängen füllen sich dann die Klassen (14% der Schüler in Abschlussklassen).
Dieser Wechsel in den Bildungsgang Hauptschule ist dann ein „Durchstieg nach unten“, nicht freiwillig und mit schulischem Misserfolg verbunden.
Als eigenständige Schulstandorte sind Hauptschulen mittlerweile selten: landesweit gibt es derzeit noch 5 reine Hauptschulen.
Andererseits wirbt gerade das Hessische Handwerk angesichts des Fachkräftemangels darum, dass Jugendliche nach einem guten Hauptschulabschluss die Schule verlassen und eine Ausbildung aufnehmen sollten.
Über 50 Prozent der Auszubildenden im Handwerksbereich verfügen über einen Hauptschulabschluss.
2. Mittelstufenschule als Baustein zur Neustrukturierung des hessischen Schulsystems
Hessen benötigt deshalb eine zukunftsfähige Schulstruktur, die eine Antwort auf die aktuellen Herausforderungen (Wahlverhalten der Eltern, Bedarforientierte Schulausbildung) gibt.
Dazu wollen CDU und FDP das hessische Schulsystem mit der Konzeption einer Mittelstufenschule weiterentwickeln.
Der gymnasiale Bildungsgang bleibt dabei unverändert an Gymnasien, an integrierten und kooperativen Gesamtschulen erhalten!
Auch werden wir keine intakte, von Eltern nachgefragte Realschule in Frage stellen!
Das Konzept der Mittelstufenschule ist ein Angebot für Schulen mit den Bildungsgängen Haupt- und Realschule.
Es sieht einen Eingang und zwei Abschlussmöglichkeiten vor und beinhaltet eine sehr starke Berufsorientierung.
Wichtig für die Schullandschaft in Hessen ist dabei:
- die drei Bildungsgänge (Gymnasium, Realschule, Hauptschule) mit ihren landesweit einheitlichen Abschlussprüfungen bleiben erhalten
- die Schullandschaft in Hessen wird übersichtlicher gestaltet, ohne dass die Schulvielfalt und die Wahlfreiheit der Eltern eingeschränkt werden. (Bildungsgang HS an 9 verschiedenen Schulformen)
- die Jugendlichen werden sehr viel früher und Praxis nah mit vielen modernen Berufen in Kontakt gebracht
Ziel ist es, allen Jugendlichen die Chance auf eine möglichst individuelle Förderung und auf einen erfolgreichen Schulabschluss zu bieten.
3. Konzeption der Mittelstufenschule
Die Mittelstufenschule sieht gemeinsame Eingangsklassen und darauf aufbauend Abschlussbezogene Bildungsgänge vor.
Das Konzept basiert auf drei Elementen:
- den bisherigen Strukturen und Inhalten der Haupt- und Realschule
- den Erfahrungen aus dem Modellprojekt SchuB
- den Kompetenzen der Berufsbildenden Schulen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung
Die Mittelstufenschule gliedert sich in eine Aufbaustufe in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 und gabelt sich anschließend in einen praxisorientierten (8-9/10) und einen mittleren Bildungsgang (8-10).
Alle Mittelstufenschulen haben mindestens eine pädagogische Mittagsbetreuung oder sind offene, Teilgebundene oder gebundene Ganztagsschulen.
Die Förderung der Ausbildungsreife und der Berufsorientierung sind zentrale Bestandteile des Unterrichts.
Entsprechend ausgeprägt ist der Praxisanteil in beiden Bildungsgängen.
Die Kooperation mit den beruflichen Schulen und die Zusammenarbeit mit den Betrieben sind grundlegende Bestandteile der Konzeption.
Bescheinigungen von Kompetenzen und Beurteilungen der Praktikumsbetriebe sind Anlage der Zeugnisse.
Aufbaustufe:
Die Organisation der Aufbaustufe findet in Schulformbezogener, Schulformübergreifender oder Teildifferenzierter Form statt.
Im Mittelpunkt stehen Fächerübergreifendes und Projektorientiertes Lernen.
In Jahrgangsstufe 7 findet für jeden Schüler eine Kompetenzfeststellung statt, darauf wird dann die individuelle Förderung abgestimmt.
Sie soll zur Erlangung der Ausbildungsreife oder einem weiteren Bildungsabschluss führen.
Ein Berufswahlpass (Portfolio) wird verbindlich.
Betriebserkundungen und Besuche von Ausbildungsstätten und beruflichen Schulen sollen die weitere Orientierung unterstützen.
Praxisorientierter Bildungsgang
Das Projekt SchuB war Vorläufer für eine enge Kooperation mit den beruflichen Schulen und für einen sehr praxisorientierten Unterricht in diesem Bildungsgang.
In kleinen Klassen (20) werden die Schüler individuell und durch ein berufsbezogenes Curriculum gefördert.
In Kooperation mit den beruflichen Schulen der Region findet ein eng verzahnter Unterricht statt.
Ziel ist es, die Ausbildungsreife der Jugendlichen sicherzustellen und einen direkten Übergang in ein Ausbildungsverhältnis im dualen System zu ermöglichen.
Der Berufsfeldbezogene Unterricht ist an den regional gegebenen Angeboten orientiert.
Am Ende der Jahrgangsstufe 9 nehmen die Schüler an den Abschlussprüfungen des Bildungsgangs Hauptschule teil.
Es besteht dann die Möglichkeit, Jahrgangsstufe 10 zu besuchen.
Mittlerer Bildungsgang:
Er sieht ebenfalls eine Kooperation mit beruflichen Schulen vor.
Neben der zweiten Fremdsprache sind Schwerpunktfächer (Wahlpflichtunterricht) vorgesehen.
Im Abschlusszeugnis wird die Eignung zum Übergang auf FOS oder GOS vermerkt.
Davon unberührt ist natürlich der Bildungsgang Realschule in seiner ursprünglichen Form als Weg zum Realschulabschluss mit anschließendem Übergang nach 6 Jahren Sec 1 möglich.
4. Vorteile der Mittelstufenschule
Die Mittestufenschule ermöglicht eine gezielte Förderung aller Jugendlichen.
- Durch die Vielfalt der Lernwege werden die individuellen Begabungen optimal gefördert
- Jeder Jugendliche hat die Chance auf einen erfolgreichen Schulabschluss
- Der Weg über den mittleren Abschluss zum Abitur bleibt für alle offen
- Alle Mittelstufenschulen bieten ein Ganztagsangebot
- Die Schullandschaft wird erweitert und zugleich übersichtlicher gestaltet
- Dem „Problem“ Hauptschule wird eine sinnvolle Alternative gegenübergestellt, ohne dass der Bildungsabschluss Hauptschule abgeschafft wird
- Der Übergang in die Berufswelt wird für Jugendliche besser gestaltet und sie werden dabei stärker unterstützt.
Die Mittelstufenschule bietet damit allen Schulen mit den Bildungsgängen Haupt- und Realschule eine zukunftsfähige Perspektive und sichert langfristig ein vielfältiges Bildungsangebot in den Regionen.
5. Mittelstufenschule als Angebot
Die Mittelstufenschule versteht sich als Angebot zunächst für verbundene Haupt- und Realschulen.
Nach der Erarbeitung eines inhaltlichen Konzeptes in Kooperation mit einer beruflichen Schule kann die Umwandlung beim jeweiligen Schulträger beantragt werden.
Nach Genehmigung des geänderten Schulentwicklungsplanes durch das HKM kann die Umstellung aufwachsend ab Klasse 5 mit Schuljahresbeginn 2011/2012 beginnen.
Langfristig gesehen kann die Mittestufenschule auch eine Option für alle Schulen mit den Bildungsgängen Haupt- und Realschule sein.